Eine Therapie-Begleit-App, die in meiner eigenen Praxis gewachsen ist — für prozessbasierte Diagnostik, Verlaufsbeobachtung und Arbeitsmaterialien.
Kein fertiges Produkt, sondern schlanke Werkzeuge, die ich mir für meine tägliche Arbeit gebaut habe — und die inzwischen zu einer Oberfläche rund um Person und Gruppe zusammenwachsen. Alles ohne Namen, datenschutzfreundlich und nah am Alltag in der Regelversorgung. Vieles davon nutze ich schon eine Weile selbst.
Die Bereiche
Jedes ist aus einer konkreten Situation im Praxisalltag entstanden, nicht am Reißbrett — und durchweg auf ACT und prozessbasiertes Arbeiten hin gedacht. Statt getrennter Programme wachsen sie zu einer Oberfläche zusammen, die sich an Person und Gruppe orientiert — nicht an Funktionen.
Biografische Anamnese und standardisierte Instrumente — pseudonym verteilt, mit automatisch erzeugten Befund-PDFs.
Das „Tagesprotokoll": kurze, tägliche Selbsteinschätzungen, die Veränderung über die Zeit sichtbar machen.
Arbeitsblätter, Audios und Links sicher bereitstellen und gezielt einzelnen Personen oder Gruppen zuweisen.
Bewährte Arbeitsmaterialien digital nutzbar machen — als erstes Beispiel die ACT-Matrix.
Ein verschlüsselter, pseudonymer Nachrichtenkanal zwischen Praxis und Patient:in — ohne Klarnamen, ohne E-Mail-Anhänge.
So greift das ineinander
Von der Anmeldung bis in den laufenden Verlauf — die Werkzeuge sind entlang des Behandlungswegs gedacht und greifen ineinander.
Person oder Paar anlegen, pseudonymer Zugang, Fragebögen automatisch verteilt.
Eingangs- und biografische Anamnese, bequem von zuhause.
Befund-PDF in Praxis-Optik, sofort verfügbar — ohne Handarbeit.
Gemeinsame Fallkonzeption zu Therapiebeginn, direkt digital, als PDF gesichert.
Tagesprotokoll & zugewiesene Materialien, sichere Nachrichten bei Bedarf; Verlaufsbefunde zur Prozess- und Ergebnisevaluation.
Wie ich damit arbeite
Lange lagen die Dinge zu einer Person an mehreren Stellen. Jetzt führe ich sie zusammen: eine Oberfläche, die von der Person und der Gruppe aus denkt, nicht von der Funktion.
Überblick, Postfach, Tagesprotokoll, Fragebögen, Material, Zugang und Fallkonzeption — für jede Person an einem Ort statt über Werkzeuge verteilt.
Weil ein großer Teil meiner Arbeit in Gruppen stattfindet, steht die Gruppenansicht gleichwertig daneben: Mitglieder, Material, Tagesprotokoll, Fragebögen und eine Nachricht an alle.
Was ansteht, bündelt sich an einer Stelle: neue Nachrichten, neue Ergebnisse, fällige Tagesprotokolle. Noch in Erprobung — die bewährten Einzel-Tools laufen weiter.
Worum es mir geht
Statt einmaliger Momentaufnahmen kurze, tägliche Selbsteinschätzungen: Sie zeigen, wie sich Belastung und psychologische Flexibilität über die Zeit bewegen — für genau diese eine Person.
Verglichen wird jede Kurve mit dem bisherigen Verlauf dieser Person, nicht mit einem Durchschnitt. Als Grundlage dient ein festes Set bewährter Fragen (u. a. PsyFlex und PBAT); dazu lassen sich Fragen aus einem Pool auswählen oder ganz eigene ergänzen — je nachdem, worum es bei dieser Person gerade geht.
Der Ansatz fußt auf der Process-Based Therapy (Hayes & Hofmann) und der Arbeiten von Joe Ciarrochi — von ihm stammt u. a. der PBAT. Das eigentliche Ziel dahinter: erkennen, welche Prozesse bei wem tatsächlich wirken.
Beispiel · Digitale Umsetzung
Sie steht hier vor allem für eine Frage: Wie digitalisiert man ein bewährtes Arbeitsmaterial so, dass es das Gespräch erleichtert statt stört? Dasselbe ließe sich mit anderen Materialien denken — etwa einer klassischen Verhaltensanalyse.
Bisher: Matrix auf Papier, danach mühsame Übertragung. Jetzt: gemeinsam am iPad ausfüllen, Einträge nach Typ farblich markiert und frei verschiebbar — mit einem Tippen als einseitiges PDF gesichert.
Alles läuft im Browser: keine Patientendaten auf dem Server. Die Einträge werden in einer festen Struktur gesichert — die Grundlage, daraus später ein Prozess-Netzwerk zu bauen; ein erster Entwurf dafür steht.
Die ACT-Matrix geht auf Kevin Polk zurück; die digitale Umsetzung hier ist Eigenentwicklung.
Öffnet matrix.achim-soergel.de.
Im Aufbau
Im Leben hängt vieles zusammen: ein Gedanke, ein Gefühl, eine Reaktion, eine Situation — das eine zieht das andere nach sich. Das Prozess-Netzwerk macht dieses Zusammenspiel sichtbar: die einzelnen Erfahrungen und Verhaltensweisen stehen nebeneinander, Pfeile zeigen, was was verstärkt oder abschwächt und ob kurz- oder langfristig. So treten selbstverstärkende Kreisläufe hervor — und mit ihnen Ansatzpunkte für die Behandlung. Die Darstellung ist beschreibend und bleibt in der Sprache der Patient:in; nichts wird automatisch bewertet.
Vor allem zum Ordnen — auch ohne Patientenkontakt: die zentralen Prozesse und Teufelskreise eines Falls für sich herausarbeiten.
Am iPad in der Sprache der Patient:in: Pfeile als Worte („verstärkt", „schwächt ab", „sofort", „auf Dauer"), Kreisläufe hervorgehoben — mit einem Mitgabe-PDF ganz ohne Zahlen und Codes.
Denselben Fall mit Kolleg:innen prozessbasiert durchdenken — eine gemeinsame Landkarte statt loser Stichpunkte.
Perspektivisch lassen sich Matrix, Netzwerk und Tagesprotokoll verbinden: Was sich als zentraler Prozess zeigt, kann als eigene Frage ins Tagesprotokoll wandern und im Verlauf beobachtet werden. Dieses Werkzeug entsteht gerade — und läuft wie die Matrix rein im Browser, ohne Patientendaten auf dem Server.
Material verteilen
Arbeitsblätter, Audios und kleine Übungen liegen sonst schnell verstreut herum. Das Materialien-Tool bündelt sie an einem Ort und bringt sie gezielt dorthin, wo sie hingehören — ohne E-Mail-Anhänge, ohne Namen.
Jedes Material lässt sich einer einzelnen Person oder einer ganzen Gruppe freigeben — und ebenso wieder zurücknehmen. Patient:innen öffnen ihr persönliches „Regal" über einen pseudonymen Zugangslink — in der Sitzung per QR-Code oder Aktivierungscode übergeben; Login oder Klarname sind nicht nötig.
Jedes Material lässt sich mit Tags versehen — etwa nach ACT-Prozess oder Art des Materials — und darüber schnell wiederfinden. Auf dem Server liegt dabei nur ein Zugangs-Schlüssel, keine Chiffre. Perspektivisch trägt derselbe Weg auch Seminar- und Blended-Learning-Materialien.
Aus dem Betrieb
Automatisch erzeugte Befunde im Praxis-Layout, beschreibend gehalten. (Alle Werte sind Testdaten.)
PHQ-D · StatusMehrere Module, kategoriale Befunde
VerlaufskontrolleWiederholte Messung, Symptomkurven
IES-R · TraumaIntrusion, Vermeidung, Hyperarousal
Auch für Paare
Dasselbe Prinzip trägt auch die Paartherapie: beide Partner:innen werden getrennt befragt, aber aufeinander bezogen ausgewertet.
Partner A und Partner B füllen ihre Bögen unabhängig aus, jede:r über einen eigenen, pseudonymen Zugang. Die Auswertung gibt es als Einzelbericht je Person und als Vergleichsbericht, der Gemeinsamkeiten und Unterschiede nebeneinanderstellt — praktisch, um im Gespräch rasch an die relevanten Themen zu kommen.
Im Kontakt bleiben
Zwischen den Sitzungen braucht es manchmal einen kurzen, geschützten Weg — für eine Rückmeldung, eine Frage, einen Hinweis. Dafür gibt es im persönlichen „Regal" ein Postfach.
Nachrichten laufen Ende-zu-Ende-verschlüsselt und pseudonym — ohne Klarnamen, ohne E-Mail-Anhänge. Serverseitig liegt nur, was verschlüsselt ist.
Praxis und Patient:in schreiben im selben Kanal; eine Benachrichtigung weist auf Neues hin, ohne Inhalte preiszugeben. Auch eine Rundnachricht an eine ganze Gruppe ist möglich.
Der Kanal ersetzt unsichere Wege wie die private E-Mail — näher am Alltag und datensparsam. Noch jung: er läuft im Pilotbetrieb und wird weiter erprobt.
Grundhaltung
Pseudonym von Grund auf: Namen bleiben in der Praxis; auf dem Server steht nur ein anonymes Kürzel. DSGVO-konform gedacht, selbst gehostet.
Verläufe werden dargestellt, nicht automatisch bewertet. Die klinische Einordnung bleibt immer bei der Therapeut:in.
Bei jeder Anwendung steht die Frage im Vordergrund: Dient das der Patient:in und der Behandlung? Im Mittelpunkt stehen die einzelne Person und ihr Wohl — und nebenbei weniger Verwaltungsaufwand.
Ich setze durchgängig auf frei verfügbare, validierte Instrumente (etwa PsyFlex und PBAT) oder auf eigene Entwicklungen — Urheber und Lizenzen im Blick. Technisch läuft alles selbst gehostet auf offener Basis (für die Fragebögen z. B. LimeSurvey), bewusst schlank gehalten.
Wohin es geht
Vieles läuft, manches ist gebaut und wartet auf den Feinschliff, einiges ist bewusst noch Idee.
Ich würde mich über den Austausch mit Kolleg:innen freuen — eine ehrliche Rückmeldung, ein erster Eindruck. Und wer mag, probiert einzelne Bausteine selbst aus. Ganz unverbindlich und kostenfrei.
Die ACT-Matrix können Sie gleich selbst ausprobieren — einfach den Link öffnen. Die übrigen Bausteine schauen wir gemeinsam an: als kurze Vorführung oder als Test aus Patient:innen-Sicht, bei dem Sie den Ablauf selbst durchklicken. Eine eigene Installation brauchen Sie dafür nicht.